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Wenn man einen eigenen Server betreibt und die mail()-Funktion von PHP benutzen möchte, so benötigt man auf dem Server einen Mail Transfer Agent kurz MTA. Über diesen MTA versucht die mail()-Funktion ihre Mails zu versenden. Ist kein MTA auf dem System installiert, schlägt der Versand von Mails fehlt. Nun ist es bei vielen Servern nicht gewünscht, einen vollwertigen MTA zu installieren. Abhilfe schafft hier der Nullmailer welcher mittels:

apt get install nullmailer

installiert werden kann. Nullmailer leitet die Mails, an einen Mailserver der Wahl weiter. Dazu muss er konfiguriert werden:

nano /etc/nullmailer/remotes

In dieser Datei wird der Mailserver mit seiner Konfiguration eingestellt:

mail.example.com smtp --port=587 --starttls --user=nutzername --pass=geheim

Nutzt man einen Mailserver mit einem selbstsignierten Zertifikat benötigt eine weitere Option:

mail.example.com smtp --port=587 --starttls --user=nutzername --pass=geheim --insecure

Anschließend sollte der Mailversand ohne Probleme funktionieren. Schlägt er trotzdem fehl, findet man genauere Informationen im Syslog unter /var/log/syslog.

Wenn man einen Server mit einem Mail Transfer Agent wie Postfix betreibt, kann man von diesem auch Mails versenden. Auf der Konsole ist dies dabei mit dem Kommando mail möglich, welches sich im Paket mailutils befindet. Mit dem Kommando kann mittels:

echo "Nachricht" | mail -s 'Betreff' mail@example.com

eine Mail versandt werden. Natürlich können auch lokale Konten bespielt werden:

echo "Nachricht" | mail -s 'Betreff' root

Damit wird in diesem Fall dem Nutzer root eine Mail gesendet.

Standardmäßig hört der Mail Transfer Agent Postfix auf dem Port 25. Möchte man nun das Postfix auch auf einem zusätzlichen Port hört, so muss man die “/etc/postfix/master.cf”-Datei bearbeiten. Dort sucht man die Zeile:

smtp      inet  n       -       -       -       -       smtpd

Unter der Zeile fügt man die Zeile:

587      inet  n       -       -       -       -       smtpd

hinzu. Anschließend muss der Dienst noch neugestartet werden:

service postfix restart

Damit hört Postfix neben Port 25 nun auch auf Port 587, dem bevorzugten Port für die Maileinlieferung von Clients.

Den MTA “sendmail” über den Paketmanager zu installieren ist eine Sache von Sekunden:

apt-get install sendmail

Interessanter wird dann wenn man versucht “sendmail” wieder zu entfernen. Der Logik folgend sollte ein einfaches:

service sendmail stop
apt-get remove sendmail

funktionieren. Allerdings läuft der MTA auch danach noch weiter. Abhilfe schafft hier die Deinstallation eines zweiten Paketes, so das der komplette Befehl so aussehen sollte:

service sendmail stop
apt-get remove sendmail sendmail-bin

Möchte man die Konfigurationsdateien auch entfernen, so bietet sich anstatt eines “remove” ein “purge” an:

service sendmail stop
apt-get purge sendmail sendmail-bin

Danach hat der MTA das zeitliche gesegnet und man verfügt wieder über eine Installation ohne “sendmail”.

Möchte man einen Mailserver auf seinem eigenen Server aufsetzen, so kann man sich durch hunderte Seiten Dokumentationen wühlen. Allerdings geht das ganze auch einfacher. Für einen Mailserver benötigen wir dabei einen MTA (Mail Transfer Agent) und einen IMAP/POP3 Server. Als MTA wird in diesem Fall Postfix und als IMAP/POP3 Server Dovecot genutzt werden. Dankenswerterweise liefert Ubuntu bereits das Paket “dovecot-postfix mit, welchen nur installiert werden muss:

apt-get install dovecot-postfix

Bei der anschließenden Installation werden einige Fragen gestellt. So sollte man bei einem dezidierten Server die Konfigurationsart “Internet-Site” wählen. In der abschliesenden Frage sollte der Domainname des Servers eingetragen werden. Dieser muss dabei nicht mit dem Domainnamen der späteren Mailadressen übereinstimmen. So könnte der Domainname “mail.example.com” sein, während die spätere Mailadresse “test@example.org” lautet.

Mailserver schauen nach ob der Name der IP Adresse (Reverse DNS) auch zum Mailserver passt. Nutzt man zum Beispiel die IP-Adresse 192.168.10.1 und deren Reverse DNS Name lautet “mail.example.com” so muss auch der Hostname “mail.example.com” lauten. Den Hostnamen kann man in der “/etc/hosts” Datei konfigurieren. Auch ein Blick in die “/etc/postfix/main.cf”-Datei lohnt sich. Der Hostname (myhostname) sollte hier der gleiche sein. Auch das Überprüfen der Option “mydestination” ist empfohlen.

Der Mailserver soll für verschiedene Domains zuständig sein. Außerdem sollen bei diesem Setup keine Unix Accounts für die Nutzer angelegt werden, die Verwaltung der Nutzer erfolgt virtuell. Auch auf Datenbanken zur Speicherung der Nutzer wird verzichtet, da sich dies erst ab zirka 100 Domains lohnt. Im ersten Schritt wird die Datei “/etc/postfix/main.cf” um folgende Einträge erweitert:

dovecot_destination_recipient_limit = 1

virtual_mailbox_domains = /etc/postfix/virtual_domains
virtual_mailbox_base = /var/mail/vhosts
virtual_mailbox_maps = hash:/etc/postfix/vmailbox
virtual_alias_maps = hash:/etc/postfix/virtual_alias
virtual_minimum_uid = 100
virtual_uid_maps = static:5000
virtual_gid_maps = static:5000
virtual_transport = dovecot
mailbox_size_limit = 0

Anschließend wird der Nutzer erzeugt, welcher Zugriff auf alle lokalen Mailboxen hat:

groupadd -g 5000 vmail
useradd -s /usr/sbin/nologin -u 5000 -g 5000 vmail
usermod -aG vmail postfix
mkdir -p /var/mail/vhosts
chown -R vmail:vmail /var/mail/vhosts

Postfix wird bei der Gelegenheit in Zeile 3 auch der Gruppe “vmail” hinzugefügt. In den letzten beiden Zeilen wird der Ordner für die lokalen Mailboxen erzeugt und dem Nutzer “vmail” zugewiesen. Danach geht es an die Konfiguration der virtuellen Mailboxen:

nano /etc/postfix/virtual_domains

In der Datei “virtual_domains” werden die Domains festgelegt für welche das System zuständig ist. Dabei wird jede Domain zeilenweise eingetragen:

example.com
example.org

Das Mapping der jeweiligen Mailadressen zu den Mailboxen findet in der Datei “/etc/postfix/vmailbox” statt:

nano /etc/postfix/vmailbox

Dort werden auch wieder zeilenweise die jeweilige Mailadresse zu der Mailbox zugeordnet.

webmaster@example.com example.com/webmaster
seeseekey@example.com example.com/seeseekey

Die jeweiligen Pfade der Mailbox sind dabei nicht absolut, sondern setzen sich aus dem in “virtual_mailbox_base” definierten Pfad und dem jeweiligen Mailboxpfad zusammen. Der Slash am Ende der Mailboxdefinition führt dazu das Postfix als Speicherverfahren “maildir” anstatt “mbox” benutzt, wobei “maildir” vorgezogen werden sollte. Weiterleitungen von einer Mailadresse an eine andere, werden in der Datei “/etc/postfix/virtual_alias” definiert:

abuse@example.com seeseekey@example.com
abuse@example.org seeseekey@example.com

Postfix benötigt einige binäre Lookuptabellen, welche nach jeder Änderung mittels:

postmap /etc/postfix/vmailbox
postmap /etc/postfix/virtual_alias

erzeugt werden müssen. Nun muss der LDA (Local Delivery Agent) in der “/etc/postfix/master.cf”-Datei konfiguriert werden. Dieser nimmt die Mail vom MTA entgegen und speichert sie in den lokalen Mailboxen. Dazu fügen wir am Ende der Datei die Zeilen:

dovecot   unix  -       n       n       -       -       pipe
  flags=DRhu user=vmail:vmail argv=/usr/lib/dovecot/deliver -f ${sender} -d ${recipient}

hinzu. Nachdem die Mailboxen über Postfix fertig konfiguriert worden sind, geht es an die Detailkonfiguration von Dovecot. In der Datei “/etc/dovecot/conf.d/10-auth.conf” wird die Option “#disable_plaintext_auth = yes” auskommentiert, damit keine Klartextauthentifikation möglich ist. Am Ende der Datei kommentieren wir die Zeile:

!include auth-system.conf.ext

aus und stattdessen die Zeile:

!include auth-passwdfile.conf.ext

ein. Anschließend wird die Datei “auth-passwdfile.conf.ext” bearbeitet. Die Datei sollte nach der Bearbeitung in etwa so aussehen:

passdb {
  driver = passwd-file
  args = scheme=sha512-crypt username_format=%u /var/mail/vhosts/passwd
}

userdb {
  driver = passwd-file
  args = username_format=%u /var/mail/vhosts/passwd
}

Im nächsten Schritt wird der LDA in Dovecot konfiguriert. In der Datei “/etc/dovecot/conf.d/15-lda.conf” ergänzen wir dem “lda”-Block so das er anschließend wie folgt aussieht:

protocol lda {
  # Space separated list of plugins to load (default is global mail_plugins).
  #mail_plugins = $mail_plugins

  hostname = mail.example.com
  postmaster_address = postmaster@example.com
  auth_socket_path = /var/run/dovecot/auth-master
  mail_plugins = cmusieve
}

Nun muss noch der Speicherort der Mailboxen bekanntgegeben werden. Dazu wird in der Datei “/etc/dovecot/conf.d/10-mail.conf” die “mail_location” von:

mail_location = mbox:~/mail:INBOX=/var/mail/%u

in

mail_location = maildir:/var/mail/vhosts/%d/%n

geändert. Um Probleme mit der Authentifikation von Postfix zu vermeiden muss die Datei “/etc/dovecot/conf.d//10-master.conf” angepasst werden. Hier wird der Block:

unix_listener auth-userdb {
    #mode = 0666
    #user =
    #group =
}

in

unix_listener auth-master {
    mode = 0666
    user =
    group =
}

geändert. Nach einem Neustart der Dienste:

sudo service dovecot restart
sudo service postfix restart

sollte das Mailsystem funktionieren. Ist das wider Erwarten nicht der Fall, so empfiehlt sich ein Blick in die Logdateien “/var/log/mail.err” und “/var/log/mail.log”. Wenn die Informationen in diesen Dateien zu ungenau sind, hilft es in der Konfigurationsdatei “/etc/dovecot/conf.d/10-auth.conf” die Optionen:

auth_verbose = yes
auth_debug = yes

zu setzen. Dadurch ist die Ausgabe wesentlich ausführlicher. Möchte man einen neuen Nutzer anlegen so erzeugt man zuerst die passende Zeile für die “passwd”-Datei im “vhosts”-Verzeichnis:

echo info@example.com:$(doveadm pw -p "geheim123" -s sha512-crypt):5000:5000::/var/mail/vhosts/example.com/info/

Nun muss der entsprechende Eintrag in der “/etc/postfix/vmailbox” angelegt werden und einige Befehle ausgeführt werden:

postmap /etc/postfix/vmailbox
mkdir -p /var/mail/vhosts/example.com/info
chown -R vmail:vmail /var/mail/vhosts
sudo service dovecot restart
sudo service postfix restart

Natürlich kann man sich für das anlegen neuer Nutzer auch ein entsprechendes Skript schreiben. Nach dem Neustart der Services ist das neue Postfach eingerichtet und kann genutzt werden.

Weitere Informationen gibt es unter:
http://www.postfix.org/VIRTUAL_README.html
http://www.werthmoeller.de/doc/microhowtos/postfix/postfix_virtual_users/
http://www.asconix.com/howtos/debian/postfix-dovecot-mailserver-debian-howto