seeseekey.net - Invictus Deus Ex Machina

Es reg­nete. Wie­der ein­mal. San­dra schaute aus dem Fens­ter und träumte. Eigent­lich müsste sie heute fei­ern, denn sie hatte Geburts­tag. Aber sie brauchte keine Geschenke. Sie hatte einen Wunsch, nur einen. Und sie hoffte das er sich bald erfüllte.

Sie legte sich ins Bett, schaute an die Decke und dachte nach. Erst über die Schule, dann über ihren Geburts­tag und dann über sich. Plötz­lich lie­fen ihr die ers­ten Trä­nen ihre roten Wan­gen hin­un­ter. San­dra weinte bit­ter­lich. Sieb­zehn Jahre musste sie es ertra­gen, jede Nacht, immer wie­der. Und wie­der ein­mal fragte sie sich, warum nur, warum pas­sierte es aus­ge­rech­net mit ihr. In Gedan­ken ver­sun­ken fiel sie in einen unru­hi­gen Schlaf.

Wie jede Nacht, kamen sie auch diese Nacht. San­dra hatte Angst, obwohl sie wusste das ihr nichts pas­sie­ren konnte, nicht in der Nacht. Sie wollte weg­lau­fen, schreien, einen Schluss­strich zie­hen, aber all das blieb ihr verwehrt.

Der Wecker klin­gelte und riss sie aus dem Schlaf. Befreit nahm sie zur Kennt­nis das sie wach war und atmete tief durch. Ihre Mut­ter kam in ihr Zim­mer und sagte ihr das sie bald los müsse. Schnell zog San­dra sich an und begab sich auf den Weg zur Schule. Sie hatte nicht viele Freunde, dafür war sie zu schüch­tern, viel­leicht auch ein­fach nur zu fremd in die­ser Welt.

Ihr Schul­tag ver­lief wie jeder andere. Mit Marle, eine ihrer weni­gen Freunde lief sie noch ein Stück des Weges, bis sie sich mit einem Kuss von­ein­an­der trenn­ten. Spät am Abend kam San­dra nach Hause. Wie jeden Abend beschlich sie die­ses unan­ge­nehme Gefühl als sie ihr Bett erbli­cke. Es war als würde es nach ihr rufen. Sie konnte nicht wider­ste­hen, dafür war sie zu müde. Und wie­der ein­mal siegte die Müdig­keit über die Angst vor dem Schlaf.

Auch diese Nacht, war wie jede Nacht. Doch dies­mal konnte sie nicht glau­ben was geschah. Sie wollte es nicht glau­ben. Schweiß­ge­ba­det wachte sie auf und schaute auf den Wecker. Er klin­gelte. Doch nicht, wie sonst pünkt­lich um 7 Uhr. Es war bereits eine Stunde spä­ter. Die Schule hatte längst ange­fan­gen. San­dra sprang auf und zog sich ihre Sachen an und rannte los.

Als sie an der Schule ankam sah sie das was sie befürch­tet hatte. Die Schule brannte. Sie sah ver­kohlte Lei­chen, Trüm­mer und auf ein­mal auch Marle. Ihr leb­lo­ser Kör­per lag dort unter den Trüm­mern. Sie schrie und fing an zu wei­nen. Nun wusste sie was sie jede Nacht sah. Es waren immer schreck­li­che Bil­der. Men­schen die ertran­ken, erstick­ten, ver­brann­ten. Men­schen die ver­zwei­felt um ihr Leben kämpf­ten. Jede Nacht kamen sie, die Bil­der aus einer noch nicht gesche­hen­den Zeit, der Zukunft. Auch sie wäre am heu­ti­gen Tag tot, doch das Schick­sal hielt seine schüt­zende Hand über sie…

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