Ich hasse es früh aufzustehen. Obwohl eigentlich ist das falsch. Ich hasse es aufzustehen. Es ist immer so anstrengend jedem Knochen und Körperteil zu sagen es möge bitte wach werden. Diese minutenlange Quälerei gegen den Körper. Ich würde ja gerne aufstehen, aber das Fleisch ist schwach. Wieso können wir nicht einfach wach werden und sind dann vital und voller Elan? Ich weiß es nicht.
Den Dreh zum richtigen Aufstehen habe ich auch nach Jahrzehnten noch nicht gefunden. Obwohl es gibt eine Sache bei welcher ich wie ein Pfeil aus dem Bett schieße. Welche Sache? Wenn es in aller Frühe an der Tür klingelt. Dann bin ich hellwach, suche verzweifelt meinen Bademantel und haste zur Tür. Was mag mich erwarten? Nervige Glaubensgemeinschaften die mir weiß machen wollen das das Ende naht? Oder unverhoffter Besuch? Doch insgeheim hoffe ich in solchen Fällen immer das es jemand von der Post ist. Nichts ist schöner als Geschenke.
Und so raffte ich mich auch an diesem Morgen auf und hastet nur mit meinem Bademantel bekleidet zur Tür und öffnete sie. Vor mir stand der Postbote. Doch ich war verwundert. Ich hatte doch gar nichts bestellt. Hinter dem Postboten stand ein großes und längliches Paket. Er sagte zur mir: „Ein Paket. Ich benötige noch eine Unterschrift.“. Ich unterschrieb und stellte fest das ich den Postboten gar nicht kannte. Ich fragte ihn ob er neu sei doch er meinte nur das er schon ewig für das Unternehmen arbeitete. Ich unterschrieb und der Postbote ging wieder. Ich ging zum Paket und zog es in das Haus. Man das hatte Gewicht. Nach einigen Minuten war es im Wohnzimmer angelangt und ich war doch ziemlich geschafft. Soviel körperliche Ertüchtigung am Morgen kann einfach nicht gesund sein.
Um die Vorfreude auf das was in diesem Paket war noch etwas zu behalten und mein plötzlich auftretendes Gefühl von Hunger zu dämpfen beschloss ich erst einmal in die Küche zu gehen und mir etwas zu essen zu suchen. Etwas Lamm vom gestrigen Tag wurde erwärmt und freudig verspeist. Gesättigt und freudestrahlend kehre ich ins Wohnzimmer zurück und begab mich zu meinem Paket.
Der Absender des Paktes war ein gewisser H. Eaven, Das sagte mir nichts und so öffnete ich vorsichtig das Paket. Zum Vorschein kam dunkel gebeiztes Holz, an welchem matt schimmernde Griffe befestigt wurden. Ich wurde immer verwunderter, bis ich es ganz ausgepackt hatte. Ein Sarg. Ein schwarz glänzender Sarg. Er sah majestätisch aus. Auf dem Deckel stand in goldenen Buchstaben mein Vorname. Ich war irritiert und verwundert. Doch dann begriff ich es: der neue Postbote, der Absender und mein Gefühl von Hunger vor dem Öffnen des Paketes. Ich schaute mich noch einmal um, legte mich in den Sarg hinein, schloss die Augen und genoss die Stille. Wohl wissend das ich nie wieder aufstehen musste…
